Lions-Quest-Seminar an der Deutschen Schule Budapest

Lions Quest - in einer Seminarpause
Lions Quest – in einer Seminarpause

Drei Tage im Februar 2013. Einundzwanzig Teilnehmerinnen und ein Trainer – man sollte meinen, Erziehung in der Schule ist (fast) nur Frauensache. Die Herren der Schöpfung – und nicht nur, soweit sie Lehrer sind – ziehen sich offensichtlich gern ins Fachliche zurück. Aber „life-skills“ als Thema für eine Lehrerfortbildung? Planmäßige Förderung von sozialen Kompetenzen? Nichts anderes bietet das Lions-Quest-Programm „Erwachsen werden“. In Baden-Württemberg gehört es nach dem Amoklauf eines Schülers in Winnenden 2009 zum Gesamtkonzept präventiver Maßnahmen in der Schule. Darüber berichtete Trainer Ansgar Merk zu Beginn der Lehrerfortbildung, zu der er aus Stuttgart angereist war.
Schüler und Schülerinnen werden nachhaltig dabei unterstützt, ihr Selbstvertrauen und ihre kommunikativen Fähigkeiten zu stärken, Kontakte und positive Beziehungen aufzubauen und zu pflegen, Konflikt- und Risikosituationen in ihrem Alltag angemessen zu begegnen und konstruktive Lösungen für Probleme, die gerade die Pubertät gehäuft mit sich bringt, zu finden. Gleichzeitig möchte der Unterricht mit diesem Programm jungen Menschen Orientierung beim Aufbau eines eigenen, sozial eingebundenen Wertesystems anbieten. Dem Konzept werden von der aktuellen Forschung die größten Erfolgsaussichten bei der Prävention (selbst-) zerstörerischer Verhaltensweisen (Sucht- und Drogenabhängigkeit, Gewaltbereitschaft, Suizidgefährdung) zugesprochen.
Das Seminar ist Teil einer Kooperationsvereinbarung, die zwischen der Deutschen Schule Budapest (DSB) und dem 1.deutschsprachigen Lions Club „Thomas Mann“ – Budapest – am 7. Dezember 2012 abgeschlossen wurde. „Nicht nur Lehrerinnen der DSB, sondern auch von Sprachdiplom-Schulen aus ganz Ungarn haben den Weg hierher gefunden“, freut sich ZfA-Fachberater Dieter Uesseler, der als Lions-Mitglied das Seminar veranstaltet. „Die Materialien sind auf Deutsch, die ‚Energizer‘ (Konzentrations- und Motivationsübungen) können in einen methodisch abwechslungsreichen Deutsch-als-Fremdsprache-Unterricht integriert werden.“
Dieter Uesseler fand auf allen Seiten eine große Bereitschaft zur Zusammenarbeit vor: Der Lions Club finanzierte die Tagungsbeiträge und die Materialordner, die jede Teilnehmerin mit nach Hause nehmen durfte, das Land Baden-Württemberg, eins der Gründungsmitglieder im Stiftungsrat der DSB, trug das Honorar sowie die Reisekosten für den Referenten, und der Förderverein der DSB die Kosten des Aufenthalts. Stolz kann Hans-Günter Hogg darauf verweisen, dass einige auswärtige Lehrerinnen bei Mitgliedern des Lions Clubs in Budapest untergebracht waren. „Wir sind ein kleiner Club. Das Lions Quest Seminar ist unser neues Projekt, aber es soll nicht zu Lasten unserer anderen Charity-Programme gehen.“ Die Schulleiterin, Oberstudiendirektorin Brigitte Cleary, sieht in der Implementierung des Programms „Erwachsen werden“ einen weiteren Schritt in den Bemühungen der Schule, die soziale Betreuung der Schüler und Schülerinnen zu verbessern. „In der fünften Klasse nehmen wir Schülerinnen und Schüler aus ungarischen Schulen auf, die intensiv Deutsch lernen wollen. Bis zum Ende der Klasse 8 sollen sie sich mit den deutschen Schülern, die aus unserer Grundschule kommen, so gut verstehen, dass sie in gemeinsamen Klassen auf das Abitur vorbereitet werden. Das ist nicht nur eine Frage des guten Deutschunterrichts, sondern eines integrativen Gesamtkonzepts. Dabei kann Lions Quest eine zentrale Rolle spielen.“ So wollen sich alle Seiten dafür einsetzen, dass das Seminar keine Eintagsfliege bleibt.